Erfahrung, Einfühlungsvermögen und Mitgefühl. Was bestimmt die Reaktion eines Menschen, der einen Dokumentarfilm über das Leben von obdachlosen Kindern gesehen hat, die auf der Straße schlafen und Klebstoff schnüffeln? Wir erkennen uns nicht wieder in dem, was in unserer unmittelbaren Umgebung geschieht und geschieht. Es erscheint uns fremd, ein Märchen oder übertrieben - etwas, das wenig mit der Realität, unserer Realität, zu tun hat... Wir können das objektive Bild nur erkennen, wenn wir auf beiden Seiten des Geschehens gestanden haben.
Ich mache mir keine Gedanken über den Schmerz und das Leid der Menschen, wenn ich es in Ausschnitten im Internet sehe. Außer vielleicht bei Kindern. Liegt es daran, dass ich ein gefühlloser und zynischer Mensch bin? Oder weil ich es nicht selbst erlebt habe?
Bei Tieren ist die Situation völlig anders. Ich überspringe solches Videomaterial absichtlich und versuche, nicht einmal den Startbildschirm zu sehen. Der Schmerz und das Leid der Tiere gehen mir sehr zu Herzen. Und warum? Weil sie sich nicht so wehren können wie Menschen? Oder haben sie Leid und Schmerz nicht verdient?
Aber es gibt auch diejenigen, die sich das, was sie sehen, zu Herzen nehmen... das Leben der Obdachlosen, der Hungernden und der Süchtigen. Auch wenn sie selbst noch nie in einer solchen oder gar ähnlichen Situation waren. Wie richtig und notwendig sind diese Gefühle überhaupt? Vielleicht sollten sie trotzdem angebracht sein.....